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Service

Bremsen quietschen: Ursachen und Warnzeichen

· 5 Min. Lesezeit

Bremsen quietschen — und die erste Frage ist immer dieselbe: Ist das schlimm?

Die ehrliche Antwort: Aus dem Geräusch allein lässt sich die Ursache nicht bestimmen. Quietschen kann vorübergehend und ohne Defekt auftreten. Es kann aber genauso gut die akustische Verschleißanzeige sein — die quietscht mit Absicht.

Deshalb beginnt dieser Text nicht mit der Technik, sondern mit der Abgrenzung, auf die es ankommt.

Zwei Stufen — und der Unterschied ist wichtig

Sicher anhalten und Pannenhilfe rufen

Nicht auf eigener Achse zur Werkstatt weiterfahren, wenn eines davon auftritt:

  • Die Bremswirkung lässt nach.
  • Das Pedal wird weich oder länger, sinkt ab — oder wird plötzlich auffällig hart (das kann für einen Ausfall der Bremskraftunterstützung sprechen).
  • Die rote Bremswarnleuchte leuchtet bei gelöster Feststellbremse weiter.
  • Bremsflüssigkeit tritt aus.
  • Es schleift metallisch beim Bremsen.
  • An einem Rad raucht es oder riecht brenzlig.
  • Das Fahrzeug zieht beim Bremsen zur Seite.

Dann die Fahrt an sicherer Stelle beenden, die Betriebsanleitung Ihres Fahrzeugs beachten und Pannenhilfe rufen. Hyundai weist darauf hin, dass eine rote Brems- oder Bremsflüssigkeitswarnung bei gelöster Feststellbremse einen zu niedrigen Flüssigkeitsstand anzeigen kann — bei fortbestehender Warnung, einem Leck oder nicht ordnungsgemäß arbeitender Bremse darf nicht weitergefahren werden.

Zeitnah prüfen lassen

Nur wenn Bremswirkung, Pedalgefühl und Spurhaltung unverändert sind, fahren Sie vorsichtig und auf möglichst kurzem Weg zu einem Prüftermin:

  • Neues, anhaltendes oder lauter werdendes Quietschen — auch wenn das Pedal normal wirkt.
  • Reproduzierbares Rubbeln oder Vibrieren außerhalb einer ABS-Regelung, solange das Fahrzeug dabei sicher in der Spur bleibt.

Zieht das Fahrzeug beim Bremsen zur Seite, gehört es in die obere Stufe: Das kann von ungleichmäßiger Bremswirkung, verunreinigten Belägen oder einem klemmenden Bremssattel kommen und die Spurhaltung beim stärkeren Bremsen beeinträchtigen. Dann sicher anhalten statt weiterfahren.

Ein kurzes Pulsieren im Pedal samt Geräusch während einer ABS-Regelung kann dagegen systembedingt sein. Wiederholt es sich außerhalb solcher Situationen, gehört es geprüft.

Was Quietschen technisch ist

Der Bremsenhersteller Ferodo ordnet Quietschen als Bremsgeräusch mit einer Frequenz über 5 Kilohertz ein und führt es auf Schwingungen im Reibmaterial zurück, während der Belag an die Scheibe gedrückt wird.

Praktisch heißt das: Es geht um Resonanz — Belag, Scheibe und Sattel geraten in eine unerwünschte Schwingung. Eine fast neue Bremse kann das tun, eine abgenutzte kann still sein. Die Frequenzgrenze ist außerdem eine Fachklassifikation; am Straßenrand lässt sich ein Geräusch so nicht einordnen.

Die Verschleißanzeige — ein Quietschen, das gemeint ist

Bremsbeläge können eine Verschleißanzeige haben, und es gibt zwei Bauarten:

  • eine mechanische Metalllasche, die bei dünn gewordenem Belag die Scheibe berührt und dabei hörbar wird,
  • elektrische Verschleißkontakte, die eine Anzeige im Cockpit auslösen.

Welche Bauart verbaut ist, hängt vom Fahrzeug und den Belägen ab. Das Hyundai-Handbuch beschreibt für den IONIQ 5 ein hohes Warngeräusch, das auch nur zeitweise auftreten kann — und dass mit verschlissenen Belägen nicht weitergefahren werden soll.

Genau deshalb ist „das quietscht nur“ keine sichere Einordnung.

Nach einem Bremsenwechsel

Das ist die Situation, die viele überrascht: frisch gemacht — und jetzt quietscht es.

Neue Beläge und Scheiben müssen erst zueinander finden. Ferodo empfiehlt für die ersten rund 350 Kilometer sanftes und häufiges Bremsen; viele leichte Bremsungen bauen den Kontakt besser auf als wenige harte. Das ist eine Empfehlung fürs Einfahren — in einer Gefahrensituation bremsen Sie selbstverständlich so stark, wie es nötig ist.

Daneben nennt der Hersteller Einbaudetails als Ursachen: fehlende Schmierung der Führungsbolzen, Rost oder Verschmutzung an den Sattelauflagen, klemmende Beläge im Halter. Bleibt das Geräusch nach dem Einfahren, lohnt genau dort der Blick.

Elektro und Hybrid: weniger Bremsarbeit für die Reibbremse

Beim Elektro- und Hybridfahrzeug übernimmt die Rekuperation einen Teil der Verzögerung. Wie viel Energie dabei zurückkommt, hat der ADAC an 19 reinen Elektroautos gemessen: im WLTP-Zyklus im Schnitt rund 22 Prozent — in der Stadt 33, auf der Landstraße 21, auf der Autobahn 12. Die Werte gelten für Elektroautos; bei Hybriden fällt der Anteil anders aus. Und zurückgewonnene Energie ist nicht dasselbe wie der Anteil, den die Reibbremse abgibt.

Die Reibbremse arbeitet also deutlich weniger. Der Bremsenhersteller Brembo weist darauf hin, dass eine geringere Nutzung Oberflächenkorrosion begünstigen kann, und dass Korrosion Geräusche und eine schlechtere Bremsleistung nach sich ziehen kann.

Die Hersteller kennen das: Manche Hyundai-Modelle begrenzen zeitweise die Rekuperation, um die Scheiben freizubremsen. Ob Ihr Fahrzeug das tut, steht in seiner Betriebsanleitung.

Unabhängig davon werden Beläge und Scheiben geprüft — im Hyundai-Wartungsplan des IONIQ 5 bei jeder Hauptstufe, siehe Serviceintervall.

Was nicht hilft

Auf der Bremsfläche hat nichts zu suchen, was die Reibung verändert. Hausmittel, Sprays oder Fette gehören dort nicht hin — sie können die Bremswirkung verschlechtern. Schmierstoffe haben je nach Bremsanlage ihren Platz an bestimmten Stellen wie Führungsbolzen und Auflageflächen — welche das sind und welches Mittel dorthin gehört, steht in der Reparaturvorgabe des Fahrzeugs. Das gehört in fachkundige Hände.

Kurz zusammengefasst

  • Aus dem Geräusch allein lässt sich die Ursache nicht bestimmen.
  • Sicher anhalten und Pannenhilfe bei nachlassender Bremswirkung, weichem, längerem oder plötzlich sehr hartem Pedal, roter Bremswarnleuchte, austretender Flüssigkeit, metallischem Schleifen, Rauch oder Brandgeruch — nicht weiterfahren.
  • Zeitnah prüfen lassen bei neuem, anhaltendem oder lauter werdendem Quietschen — und nur, wenn Bremswirkung, Pedalgefühl und Spurhaltung unverändert sind. Ziehen zur Seite gehört zum Anhalten.
  • Eine Verschleißanzeige quietscht mit Absicht — sie kann auch nur zeitweise auftreten.
  • Nach einem Bremsenwechsel hilft Einfahren: rund 350 Kilometer sanft und häufig bremsen.
  • Bei Elektro und Hybrid arbeitet die Reibbremse weniger; Korrosion kann Geräusche begünstigen.
  • Auf die Bremsfläche gehört kein Hausmittel.

Wenn Sie unsicher sind, wie ein Geräusch einzuordnen ist: Termin anfragen. Was wir bei der Prüfung finden, besprechen wir mit Ihnen, bevor etwas gemacht wird.

Häufige Fragen

Sind quietschende Bremsen gefährlich?

Aus dem Geräusch allein lässt sich die Ursache nicht sicher bestimmen. Quietschen kann vorübergehend und ohne Defekt auftreten — es kann aber auch von einer akustischen Verschleißanzeige, ungleichmäßigem Verschleiß oder einer nicht frei arbeitenden Bremse kommen. Neues, anhaltendes oder lauter werdendes Quietschen deshalb zeitnah prüfen lassen, auch wenn das Pedal normal wirkt.

Wann muss ich sofort anhalten?

Wenn die Bremswirkung nachlässt, das Pedal weich oder länger wird oder absinkt, die rote Bremswarnleuchte bei gelöster Feststellbremse weiterleuchtet, Bremsflüssigkeit austritt, es beim Bremsen metallisch schleift oder es an einem Rad raucht oder brenzlig riecht. Dann die Fahrt an sicherer Stelle beenden, die Betriebsanleitung beachten und Pannenhilfe rufen — nicht auf eigener Achse zur Werkstatt weiterfahren.

Was ist eine Verschleißanzeige?

Eine Warnung, die absichtlich hörbar ist. Es gibt zwei Bauarten: eine mechanische Metalllasche, die bei dünn gewordenem Belag die Scheibe berührt, und elektrische Verschleißkontakte, die eine Anzeige im Cockpit auslösen. Das Hyundai-Handbuch beschreibt für den IONIQ 5 ein hohes Warngeräusch, das auch nur zeitweise auftreten kann — mit verschlissenen Belägen soll nicht weitergefahren werden.

Warum quietschen die Bremsen nach dem Bremsenwechsel?

Weil neue Beläge und Scheiben erst zueinander finden müssen. Der Bremsenhersteller Ferodo empfiehlt für die ersten rund 350 Kilometer sanftes und häufiges Bremsen statt einzelner harter Bremsungen. Auch Einbaudetails spielen hinein: fehlende Schmierung der Führungsbolzen, Rost oder Verschmutzung an den Sattelauflagen, klemmende Beläge im Halter.

Warum quietscht es nach einer Nacht im Freien?

Auf den Scheiben kann sich über Nacht ein feiner Belag bilden, der beim ersten Bremsen Geräusche macht. Verschwindet das Geräusch bei unveränderter Bremswirkung nach wenigen Bremsungen, spricht das dafür. Ein Beweis ist es nicht — eine akustische Verschleißanzeige kann ebenfalls nur zeitweise auftreten. Bleibt das Geräusch bestehen oder wird es lauter, lassen Sie es prüfen — aus dem Verlauf allein lässt sich die Ursache nicht sicher ableiten.

Quietschen Elektroautos häufiger?

Beim Elektro- und Hybridfahrzeug übernimmt die Rekuperation einen Teil der Verzögerung; der ADAC hat an 19 reinen Elektroautos im WLTP-Zyklus im Schnitt rund 22 Prozent zurückgewonnene Energie gemessen, in der Stadt 33. Die Reibbremse arbeitet dadurch weniger, und der Bremsenhersteller Brembo weist darauf hin, dass geringere Nutzung Oberflächenkorrosion begünstigen kann — mit Geräuschen und schlechterer Bremsleistung als möglicher Folge. Manche Hyundai-Modelle begrenzen dafür zeitweise die Rekuperation, um die Scheiben freizubremsen.

Kann ich selbst etwas tun?

Bei frisch gewechselten Bremsen hilft das Einfahren. Was nicht hilft: Hausmittel, Sprays oder Fette auf der Bremsfläche — dort gehört nichts hin, was die Reibung verändert. Schmierstoffe haben ihren Platz an Führungsbolzen und Auflageflächen, und das gehört in fachkundige Hände.

Wird das bei der Inspektion mitgeprüft?

Ja. Bremsbeläge, Bremsscheiben und Leitungen gehören zu den Prüfpositionen der planmäßigen Wartung; im Hyundai-Wartungsplan des IONIQ 5 stehen Beläge und Scheiben bei jeder Hauptstufe als Prüfpunkt. Ein neues Geräusch dazwischen sollten Sie trotzdem nicht bis zum nächsten Termin mitnehmen.

Fragen zu einem konkreten Fahrzeug? Wir beraten Sie gern.